Die mit den Toten tanzen!

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In Deutschland sind wir froh, wenn wir unsere Toten begraben können und sie endlich ihre „letzte Ruhe“ finden. Nicht so in Madagaskar. Hier werden die Verstorbenen in regelmäßigen Abständen exhumiert. Für uns eine gruselige Vorstellung, aber in der Kultur der Merina zum Beispiel, ist dies selbstverständlich. Die Toten gelten im Glauben der Madagassen als allgegenwärtig und nehmen großen Einfluss auf ihre Hinterbliebenen. Deshalb werden sie durch eine Famadihana (Umbettung) geehrt. Einem Verstorbenen steht mindestens alle 10 Jahre eine solche Umbettung zu. Jede Famadihana ist mit einem großen Fest verbunden, für das alle Verwandten aus nah und fern zusammenkommen. Die Toten werden aus den Familiengräbern geholt und in einer Prozession um die Gräber herumgetragen, anschließend finden die Gebeine einen Platz in der Mitte der Feiernden. Einige Stunden später werden die Toten gewaschen, in frische Totentücher gehüllt und wieder in ihr angestammtes Grab gebracht. Dort haben sie dann Ruhe – zumindest bis die nächste Famadihana ansteht.

Gebeine eines Verstorbenen werden durch das Dorf getragenflickr.com by saveoursmile

In Deutschland wäre eine solche Zeremonie undenkbar und eine Straftat zugleich: Störung der Totenruhe. Selbst wenn die Friedhofverfassung einen Totentanz erlauben würde, ist in der christlichen, jüdischen und islamischen Religion die Totenruhe heilig. Wenn in Deutschland nach ca. 20 Jahren Ruhezeit die Gräber aufgelöst werden, um Platz für neue Leichname zu schaffen, wird jüdischen und muslimischen Verstorbenen eine Totenruhe in alle Ewigkeit garantiert. Der Friedhof ist im Empfinden vieler Leute, besonders nachts, extrem gruselig. Die eine oder andere Mutprobe in jungen Jahren bestand darin, nachts alleine einen Friedhof zu überqueren. Von daher erscheint uns der Totenkult auf Madagaskar wahrscheinlich nicht nur makaber, sondern vielleicht sogar irgendwie geschmacklos. Doch im Glauben der Merina wird den Toten durch die Umbettung ein besonders großer Respekt gezollt, welchen wir im Grunde unseren Verstorbenen auch entgegenbringen – nur eben durch die Totenruhe.

Le Catacombe dei Cappuccini

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Die Gruftanlage unter dem Kapuzinerkloster in Palermo ist weltweit für die beeindruckende Zahl an Mumien bekannt.

Im Jahre 1534 errichtet, war das Kloster der das erste Refugium des noch jungen Ordens auf sizilianischem Boden. Doch die Bruderschaft wuchs und man entschloss sich schon 1599 ein größeres Grabgewölbe zu bauen, weil das alte der Zahl der Toten nicht mehr fassen konnte.

Doch als die Mönche ihre verstorbenen Brüder in ihrer neue Ruhestatt überführten staunten sie nicht schlecht: Was sie fanden waren nicht die bleichen Skelette der  Toten, sondern wohl erhaltende Trockenmumien. Die gottesfürchtigen Mönche stellten die Toten als Spalier in die Gänge der Gruft, zur Mahnung an die eigene Sterblichkeit „Mento Mori“.

Als die erhaltende Wirkung der Gruft bekannt wurde forderten auch die Bürger der Stadt in der Nähe der heiligen Brüder begraben zu werden. Um dem erneuten Andrang gerecht zu werden, ergänzten die Mönche den Vorgang der natürlichen Mumifizierung durch bestimmte Formen der Behandlung und Einbalsamierung. So wurden die Körper der Verstorbenen konserviert und Verwandten war es möglich die mumifizierten Lieben in den Gängen zu besuchen und sogar von Zeit zu Zeit neu einzukleiden.

Im Jahr 1837 wurde diese Form der Bestattung verboten. Nachfolgende Tote mussten wieder in Särgen ihre letzte Ruhe finden.

Heute sind die Mumien der Kapuzinergruft einen touristische Attraktion. Besonderes Staunen gilt dabei der kleinen Rosalia Lombardo, der „schönsten Mumie der Welt“. Und tatsächliche verbrachte der Einbalsamierer Alfredo Salafia einen Meisterleistung als er den Körper des zweijährigen Mädchens präparierte. Am 6. Dezember 1920 an der Spanischen Grippe verstorben, ruht sie noch heute Puppengleich in einem gläsernen Sarg.

Wunderbar und auch ziemlich unheimlich.

Aokigahara

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Aokigahara ist ein Waldstück am Fuß des Fuji, einem Vulkan und Japans höchstem Berg. Die Landschaft ist wildromantisch und der Wald Aokigahara wird auch poetisch „das Meer aus Bäumen“ genannt. Doch was so anheimelnd klingt hat einen düsteren Beigeschmack. Der Wald ist dicht und unübersichtlich, ein Labyrinth aus Bäumen, dass Stoff für zahlreiche Spukgeschichten und moderne Sagen lieferte, die natürlich nicht alle auf Fakten basieren.

Traurige Wahrheit ist jedoch die anhaltende Popularität des Waldstücks unter Selbstmördern. Das literarische Vorbild dazu lieferte der Autor Matsumoto Seichō, der die Protagonistin seines Romans „Der Wellenturm“ vor dem Panorama des schneebetupften Fuji Selbstmord begehen ließ. Seit den 1960er Jahren ist Aokigahara nun ein Anziehungspunkt für Suizidgefährdetet. Zwar versucht man mit Hinweisen auf die Telefonseelsorge und Patrouillen die Lebensmüden von ihrem Vorhaben abzubringen, doch meist finden die Helfer nur die aufgeknüpften Leichen. 78 Tote ist die erschreckend hohe Bilanz des Jahres 2002.

Überhaupt hält Japan einen traurigen Rekord, wenn es um die Anzahl der Suizide geht. Allein im letzten Jahr (2010) brachten sich mehr als 34.400 Menschen um.

46 Menschenleben wurde allerdings gerettet: Yukio Shige, Polizist im Ruhestand, hat es sich zur Aufgabe gemacht die Seelen der Menschen vor ihrer eigenen Verzweiflung zu schützen. Er lebt in Tojinbo, einem Ort der als das “Selbstmorddorf” in Japan traurige Berühmtheit erlangt hat und steigt jeden Abend zu den Klippen empor um schützend sie Hand auszustrecken.

Der Küstenort zählt jedes Jahr bis zu 90 versuchte Selbstmorde, dabei sterben etwa ein Drittel der verzweifelten. Für den Rest bedeutet der Sprung von den steilen Klippen schwerste Verletzungen und noch mehr Leid.

Ein trauriger und auch ein gruseliger Ort, bedenkt man, mit wie vielen Leichen die Bewohner konfrontiert werden.

Das Leben nach dem Tod

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Wenn man 2 Meter und 30 Zentimeter groß ist, fällt man einfach auf. Der junge Charles Byrne aus Irland kannte das Problem nur zu gut. Schon damals, im 18. Jahrhundert, war er eine große Sensation und bei Ärzten und Chirurgen besonders beliebt. Charles Byrne erlebte eine kurze Zeit voller Shows und Spektakel, wurde der Publikumsmagnet im Cox’s Museum. Doch diesem Druck hielt er nicht lange stand: 1738 schon, im Alter von nur 22 Jahren starb Byrne, angeblich aufgrund seiner Trinksucht.

Ständig hatte er sich gewünscht, auf der See bestattet zu werden und bloß kein Objekt der Begierde in einem Museum werden. In Frieden bestattet zu werden, war sein größer Wunsch, doch der Chirurg John Hunter sah das etwas anders: Er bestach einen Freund, klaute den Sarg und kochte die Leiche bis nur noch die Knochen übrig waren. Das Skelett stellte er als Kuriosität in sein Museum.

Wissenschaftler aber fordern nun, dass man der Seele des jungen Mannes nun endlich ihre verdiente Ruhe gibt. DNS-Proben wurden zahlreich entnommen, um damit weiter forschen zu können. Ob Charles Byrne nun endlich bald seine Ruhe im weiten und endlosen Meer finden kann? Den letzten Willen einfach so zu übergehen, mag für die Forschungszwecke logisch erschienen sein. Doch wie leicht kann das Leben nach dem Tod in einem Desaster enden, wird man Objekt der Begierde zahlreicher Anatomie-Forscher. Traurig irgendwie, wenn nicht mal der letzte Wille zählt. So kann ein Leben nach dem Tod zur Hölle auf Erden werden.

Die „Schreckenskammer“ von Madame Tussaud’s

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Das Wachsfigurenkabinett Madame Tussaud’s ist eine beliebte Attraktion in Londons Marylebone Road. So beliebt, dass es weltweit sogar einige Außenstellen des Museums gibt. Doch es geht natürlich nichts über das Original. Besonders, wenn man ein Freund des Makabren, ja vielleicht auch Grausamen ist.
Die Chamber of Horrors des Madame Tussaud’s in London ist ein Ort zum Fürchten und sicher nichts für schwache Nerven. Ganz besonders, wenn man bedenkt, dass die Ausstellungsstücke nicht nur ein Original als Vorbild hatten, sondern auch echte Requisiten ihren Weg in die Ausstellung fanden.
Die Gründerin des Museums, Marie Tussaud, erlernte ihr Handwerk in der blutigen Zeit der Französischen Revolution. Nachdem die Köpfe der Verurteilten durch die Guillotine abgetrennt waren, war ihre Haltbarkeit leider nur noch begrenzt. So behalf man sich bei der Zurschaustellung der Opfer eben mit Wachsabgüssen, die Marie Tussaud herzustellen hatte.

http://www.madametussauds.com/London/PlanYourVisit/Explore/Scream/Default.aspx

Ein makabres Unterfangen, das jedoch bis heute nicht s von seiner Faszination eingebüßt hätte. 1802 stellte Tussaud ihre Sammlung in London erstmals aus. Im Laufe der nun folgenden 200 Jahre fanden immer mehr Wachskörper ihren Weg in die Kammer: Vereinigt sind hier die schlimmsten Killer der englischen Kriminalgeschichte, zum Teil mit Original-Tatwerkzeugen und Kleidung, ein Geschenk des Henkers, beziehungsweise der Delinquenten selbst. Doch werden auch Folterinstrumente zur Schau gestellt und auch altbekannte Schurken wie Graf Dracula finden einen Platz.
Ein großer Fan der morbiden Schaulust war übrigens der Schriftsteller Charles Dickens. Seine Figur ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, jedoch in einer anderen Abteilung…

Das ewige Eis am Südpol

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Es gibt kaum einen trostloseren und eintönigeren Ort als das endlose Weiß des Südpols. Vor 100 Jahren gelang es Roald Amundsen und seinen Männern zum ersten Mal den Südpol zu erreichen. Sie kämpften sich durch heftigste Schneestürme und übernachteten bei -50°C in Zelten. Amundsen gilt als der Held des Jahrhunderts, der alle großen Flecken der Landkarte beseitigen konnte. Sein Kampf mit den Naturgewalten im ewigen Eis ist einmalig. Bislang hat es niemand mehr geschafft, über seine Route den Südpol zu erreichen. Auch der Engländer Scott, der fast zeitgleich mit Amundsen zum südlichsten Punkt der Erde aufbrach, bewältigte eine Route, die bisher niemand mehr gehen konnte. Diese Route wurde Scott allerdings zum Verhängnis. Während Amundsen bereits wieder im warmen Schiff nach Hause saß, mussten sich Scott und seine beiden Begleiter in einem kleinen und kalten Zelt dem eisigen Winter beugen und starben geschwächt und halb erfroren nur 20 Kilometer vom nächsten Depot entfernt. Amundsen wurde der strahlende Held, während Scotts Leiche erst acht Monate später gefunden wurde. Dabei war auch er bis zum Pol gelangt und hatte das endlose Eis beinahe besiegt. Doch die Antarktis war schneller.

Frostbeulen, abgefrorene Gliedmaßen, ständiger Hunger, Kälte und nichts als endlose Weiten vor Augen – Depression, Schwäche und Tod sind so ständiger Begleiter der Eroberer gewesen. Ein trostloser und kompromissloser Ort. Wenig Nahrung und extreme Überlastung führen auch in diesen Gegenden zu Halluzinationen. Auch den schlimmsten Sturm der Antarktis mussten Amundsen und seine Mannschaft überstehen und haben nur mit Glück überlebt und den Weg zum Pol finden können: Wenn es zu einem Whiteout kommt, fühlt man sich wie in einem Schwebezustand. Durch diffuses Licht und ständigem Weiß fehlen die Kontraste – Himmelsrichtungen, oben und unten – nichts davon hat mehr irgendeine Bedeutung. Gleichgewichtssinn und vor allem die Orientierung leiden darunter und wurden vielen schon zum Verhängnis.

Während zunächst der Jubel über Amundsens Entdeckung durch die Todesnachricht und der anschließenden Heldenverehrung von Scott getrübt wurde, gibt es in diesen Tagen immer mehr Hinweise auf grobes Fehlverhalten seitens Scott. Mangelnde Kommunikation, falsche Ausrüstung (beispielsweise Ponys, die weder der Kälte noch den Strapazen trotzen konnten) und die endgültige Fehlentscheidung, einen fünften Mann mit an den Pol zu nehmen, führten wohl letztendlich zum Scheitern der Expedition.

Das Konzentrationslager Buchenwald

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Wer sich gruseln möchte, denkt dabei wahrscheinlich als allererstes an Vampire, Zombies und andere Fantasiegestalten. Doch leider entspringen nicht alle Monster den Köpfen begabter Literaten oder Filmemacher, sondern sind Ausgeburten unserer Ängste – Manche Monster tragen gar das Antlitz von dir und mir.
Die Zeit des Zweiten Weltkriegs gehört garantiert zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte. Die Gräueltaten dieser Zeit werden in Filmen gezeigt und die fehlgeleiteten Ideale im Schulunterricht als menschlicher Wahnsinn entlarvt. Doch ist die Zeit des Krieges für die Generationen der Gegenwart scheinbar unendlich weit entfernt, begraben unter einem Haufen vergangener Zeit.
Wer jedoch eine Ahnung des Vergangenen erhaschen will, sollte seine Schritte dorthin lenken, wo die menschliche Grausamkeit nie gekannte Höhepunkte erreichte: Die Arbeits- und Vernichtungslager.

WikimediaCommons, Urheber: Diether

Der Besuch von Buchenwald beispielsweise ist ein Wandel zwischen den Welten. So nah an Weimar, Wiege der deutschen Klassik, so weit fort von „Guten, Wahren, Schönen“. Auf dem Gelände herrscht die Stille eines Friedhofs, doch friedlich ist es hier noch immer nicht. Der eigene Geist spielt einem Streiche, versucht die Schatten der Vergangenheit zu entdecken, sucht Spuren des Leids, des Todes und Monstrosität und findet Stein um Stein. Es ist uns kaum vorstellbar, dass das Reich der Toten hier dereinst von Lebenden regiert wurde: „Jedem das Seine.“

WikimediaCommons, Urheber: Clemensfranz

Die Ausstellung zeigt Bilder und Zahlen und zusammen mit dem Tor, Zäunen, dem Bunker und dem Krematorium ergibt sich ein Bild, das in seiner Hässlichkeit doch niemals an das Original heranreichen kann. Besonders schlimm ist der Besuch im Winter, wenn der herabfallende Schnee, die Bäume bedeckt, wie einst die Asche.
Der Besuch des Lagers will vorbereitet sein. Er ist kein Vergnügen, doch in jedem Fall ein Erlebnis.

Horrorfilmfestival „Fright Nights“ in Wien

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Der Vorhang schwingt zur Seite, die übliche Eiswerbung und die Trailer der kommenden Filmhighlights sind gelaufen und nun wartet man gespannt auf die Schrecken, die da kommen. Gruseln im Kino: Nichts leichter als das. Doch selbst beim Horrorfilm teilen sich nochmal die Geschmäcker. Während dem einen noch beim blutigsten Massaker das Popcorn prächtig mundet, klammert sich der Nebenmann verkrampft in die Armlehnen. Andersherum ist manchmal ein fieser Psychoschocker selbst für den eingefleischten Splatterfan zu krass…
Wer den gepflegten Horror auf der Leinwand liebt, der kennt sie sicher alle, die Klassiker der Szene. Doch sollte ein echter Fan auch die Neulinge des Genres kennenlernen: Das geht ganz leicht und in bester Gesellschaft auf dem „ultimativen Fest der Angst“. So betitelt jedenfalls der Veranstalter die Fright Nights.

Das Festival ist ein „Low Budget Independent Festival“, das heißt es lebt von Engagement der Fans, nicht von öffentlichen Fördergeldern. Doch damit lebt es scheinbar gut: Allein im letzten Jahr pilgerten 1779 Horrorfans in das gastgebende Wiener Megaplexkino um die insgesamt 44 Filme zu bewundern. Die Werke sind zum großen Teil die Arbeit junger Regisseure, Schaupieler und Produzenten. Das Festival bietet ihnen eine Plattform und ein Publikum. Weiterhin werden die besten Filme prämiert und neue Projekte finden neue „Paten“ und „Partner“.
Blut geleckt?
Die nächsten Fright Nights finden nächstes Jahr (2012) im November wieder am selben Ort statt.

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